Tag 7: Warum ich aufhöre videospiele zu spielen

Marcel macht einen Videospiele-Detox und hört auf, seine geliebten Videospiele zu spielen. Kann das gut gehen? Hier geht es zum nächsten Eintrag.

Der Kreislauf beginnt von Neuem

Es ist 04:14 Uhr Morgens und ich kann wieder mal nicht schlafen. Echt super. Dann lieg ich 1-2 Stunden wach, obwohl ich bald wieder aufstehen muss um zu arbeiten. Und dann, wenn ich um 7 Uhr tatsächlich aufstehen muss, liege ich im tiefsten Schlaf und könnte ewig so weiterschlafen. Vielen Dank Leben!

Früher sagte ich irgendwann in solchen Momenten: Fuck it! Es bringt ja doch nichts, doof im Bett zu liegen und zu hoffen, dass ich wieder einschlafe. Also wäre ich einfach aufgestanden, um ein wenig zu zocken.

Mein ganzes Leben habe ich Videospiele gespielt. Verdammt, ich liebe Videospiele über alles! Es ist nichts spezifisches daran, einfach diese geile Mischung aus bombastischen Explosionen, Monstern, unglaublichen technologischen Grafikeffekten, Multiplayer in dem Du mit Menschen aus der ganzen Welt gleichzeitig spielen kannst. (Wie kommt so ein Datenpaket nochmals so schnell von hier nach Russland? Unglaublich!) Die Grafik, der Sound, die Atmosphäre, die Herausforderung!

Und dennoch höre ich jetzt auf damit. Obwohl ich mich sonderlich süchtig fühle. Obwohl ich mein Leben im Griff habe und Zocken das schönste Hobby ist, das man sich vorstellen kann.

Ich will nicht aufhören, und vielleicht schaffe ich es wieder nur 1-2 Wochen. Der Prozess ist immer gleich:

  1. Ich habe das Gefühl, ich zocke zuviel
  2. Ich höre auf zu Zocken
  3. Mir wird sterbenslangweilig
  4. Okay, ich suche mir ein anderes Hobby: Sport? Würg. Poker? Hmm. Was machen normale Leute denn den ganzen Tag?
  5. Ich schaue tonnenweise Dokumentationen auf Youtube.
  6. Dann nach 1-2 Wochen die Erkenntnis: Also gut… Ich KANN nicht mehr Videospiele spielen. Aber warum SOLLTE ich???

Also fange ich wieder an. Und ich liebe Videospiele wie eh und je.

Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Videospiele sind wie Nutella

Schau, dieser Blog ist eigentlich das beste Beweis für meine These: Seit November 2019 habe ich nichts mehr geschrieben. Ist es bereits so lange her? WTF?

Seither ist eine Meeeeenge passiert, aber dazu ein andermal. Was sich nicht geändert hat, ist: Jeden Abend sitze ich 2-4 Stunden vor meinem geilen HP-Omen-Desktop-PC und zocke mich durch meine über 1000 Spiele grosse Steam-Bibliothek.

Videospiele sind wie Nutella. Was das bedeuten soll? Ich erkläre es.

Meine These ist folgende: Meine Frau und ich essen gerne Brot. Brot mit Marmelade („Gonfi“ auf Schwitzerisch), Brot mit Honig, Brot mit Streichkäse… und ab und an kaufen wir ein grosses Glas Nutella. Weil Nutella echt lecker schmeckt.

Das Problem dabei ist folgendes, und ich beobachte es bei meiner Frau und mir selber: Wenn es Nutella im Schrank hat, essen wir Nutella. Dann essen wir kein Honig und keine Gonfi und bestimmt keinen Streichkäse. Weil Nutella so lecker schmeckt (völlig losgelöst von der Frage, wie gesund es jetzt denn für den Körper ist) essen wir immer Nutella.

Und genauso sehe ich bei mir das Zocken: Ich habe grundsätzlich viele Interessen. Lesen, Blog schreiben, Sudokus lösen, Yoga – Ach verdammt, ich würde sogar Fitnesstraining machen oder Joggen gehen. Aber solange mein gottverdammter über alles geliebter Computer da steht gehe ich Zocken.

So einfach ist das.

Warum ich unbedingt Days Gone noch durchspielen musste

Kennst Du Days Gone? Falls nicht: Days Gone ist ein unglaublich geniales Zombie-Spiel in einer Welt, in der die heutige Zivilisation so nicht mehr stattfindet. Stattdessen fährt man als sympatischer (Anti-?) Held namens Deacon durch die Pampa, sucht Vorräte zum Überleben und rennt hunderten von Zombies davon.

Falls Du auch nur annähernd Interesse an dem hast, was ich gerade geschrieben habe, dann hol Dir doch das Spiel. Es ist wirklich echt genial! Meiner Meinung nach das beste Zombie-Spiel.

Okay auf jeden Fall war es so: Ich sagte zu meiner Frau: „Frau, hör mir zu. Ich werde aufhören zu Zocken. Aber bevor ich das tue, muss ich Days Gone noch durchspielen. Ich muss einfach wissen, ob Deacon seine Frau wiederfindet, die er am Anfang des Spiels verloren hat.“

(Meine Frau rollt mit den Augen.)

Spoiler Alert: Falls Du das Spiel selber durchspielen willst und nicht wissen möchtest, ob Deacon seine tot geglaubte Frau wiederfindet, solltest Du jetzt möglicherweise aufhören zu lesen.

Also sitze ich da, spiele und spiele soviel wie ich noch nie gespielt habe. Ein ganzes Wochenende, an dem es draussen total sonnig und heiss war, sitze ich von Morgens um 8 bis Abends um 22-23 Uhr drinnen und versuche, dieses gottverdammt ach so gute Spiel zu beenden.

Meine Frau sagt mir, ich soll doch einfach so aufhören mit Zocken, ohne das Spiel zu beenden. Aber ich MUSS WISSEN was mit Sarah passiert ist! Kennst Du das, wenn Du etwas einfach tun musst, auch wenn es für andere vielleicht unlogisch ist?

Also mache ich brav eine Mission nach der anderen. Erledige hier ein Räubercamp, erledige da ein paar Zombie-Wölfe und Bären. Alles kein Problem, ich habe Sniper-Gewehre, gegen deren Distanz die meisten Gegner keine Chance haben.

Dann aber schickt mich das Spiel auf eine allerletzte Mission: Ich soll diese riesige Zombiehorde am Bahnhof killen. Und ich krieg es einfach nicht hin! Das Spiel gibt mir viel zu wenige Molotov- und Napalm-Cocktails, die man aber braucht, um diese grosse Masse von Zombies zu erledigen. Also fahre ich wie ein Bekloppter auf der Map umher auf der verzweifelten Suche nach Flaschen und Materialien, um die gewünschten Wurfbomben herstellen zu können. Stundenlang! AAAARRRRGHHHHHHHHHH!!!!!!!!

(Oder ist das vielleicht genau der Sinn des Survival-Spiels?)

Am Ende reicht es mir: Knall ich die Viecher halt einzeln ab. Wechsle ich mein geliebtes Sniper-ähnliches Hauptgewehr halt aus durch eine einfache Shotgun, und später zu einer noch besseren Variante. BAM BAM BAM. Überfahre ich halt ein paar dieser Monster mit meinem Bike (sehr gefährlich!) Kommt nur ihr Viecher, bevor ihr nicht tot seid werde ich nicht aufhören zu spielen!

Nach endlosen 3-4 Stunden habe ich es geschafft. Verdammte Zombies! Verdammte Entwickler, gebt mir doch mehr Molotov-Cocktails! Nicht mal cheaten konnte ich, ich habe es extra geprüft.

Der Rest der Story ist dann schnell erledigt, da wie gesagt einzelne menschliche Gegner für die Sniper-Gewehre kein Problem darstellten. Und so kriege ich am Ende doch noch mein wohlverdientes Happy End! Deacon ist wieder mit seiner Geliebten zusammen, die Welt ist vor diesem fanatisch-religiösem „Endgegner“ gerettet, ich kann endlich den Controller aus der Hand legen.

Ich will am liebsten den ganzen Tag zocken

Und so endet mein Gamerleben vorerst und der Weg in das grosse Unbekannte namens „Real Life“ beginnt. Ich liebe Videospiele. Ich würde am Liebsten aufhören zu arbeiten, meine Frau und Kinder in die Ferien schicken und nur noch permanent zocken. Und genau das ist der Grund, warum ich aufhören muss.

Opportunitätskosten nennt man das. Das bedeutet soviel wie „Zocken macht mir unheimlich Spass, aber ich verpasse soviele andere schöne Dinge im Leben, wenn ich den ganzen Tag nur am Zocken bin“. Gut, das muss mir das Leben in den folgenden Tagen/Wochen (Monaten? *schauder*) erst mal beweisen.

Und so sitze ich Morgens um 5 Uhr hier. Und statt Zombies zu töten schreibe ich an meinem Blog.

Was für ein Leben…

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